Via Talagova

Weg Nr. 17

spannende Geschichten (c) Fuchs
Via Talagova geschichtlicher Rundweg Wandern Thalgau
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10 m1 h1,5 kmSchwierigkeit:

Via Talagova – Ortsgeschichtlicher Rundgang

Wenn man die Geschichte des Marktes Thalgau durchblättert und das Werden des Ortes überdenkt, so wird es jedem Gast und auch Einheimischen offenkundig, welchen unfassbaren Segen dieses einst kleine Dörfchen „Talagove“, zwischen bewaldeten Hügelketten liegend, an historischen und  an geistigen Früchten hervorgebracht hat.

Auf der Völkerstraße „Via Publica“ strömten einst die Menschen des Nordens dem Süden zu, dem Lande ihrer Sehnsucht, und die Männer des Südens fanden hier ein Tor nach dem Norden. Auch die „Via Talagova“ war ein Stück des römischen Straßennetzes nach Juvavum (heute Salzburg).

„Thalgau, mein schönstes Tal“ – der Ausspruch von Erzbischof Hieronymus II ist eine Herzenssache.

Wer Thalgau kennt, dem soll die Wanderung auf der Via Talagova helfen, seine Kenntnisse zu vertiefen. Wer Thalgau nicht kennt, den soll der ortsgeschichtliche Rundgang anregen, es kennen zu lernen.

Rundgang

Beginn beim Tourismusverband Thalgau (Marktplatz 4) – hier war um die Jahrhundertwende das Gasthaus „Zum Tanzberger). Überquert man die Hauptstraße, erhebt sich links das imposante Gebäude der einstigen „Wirtstaverne zum Reitsamer“ (Marktplatz 2). Neben der „Wirtstaverne“ steht das einstige „Schmitt- und Fuchswirtshaus“ (Salzburger Straße 1-3). In diesem Gebäude führte der Fabrikantensohn Dr. Alfred Gaertner bereits um 1910 mit seiner „Laterna magica“ die ersten Lichtbilder-Vorträge für die Arbeiter der Maschinenfabrik durch. Die romantischen Bachüberquerungen wie der „Uraysteg“ und der „Post- oder Jilkasteg“ sowie die „Brunnbrücke“ sind verschwunden. Heute führt eine betonierte Brückenüberdachung über den Brunnbach, der auf einem Feld in der Ortschaft „Enzersberg“ entspringt. Die Hauptstraße links entlanggehend, steht man sofort vor dem ehemaligen „Neuwirtshaus“ und am Weg entlang bis zum Ortsende kommt man noch an weiteren geschichtsträchtigen Bauten vorbei.

An der Tankstelle biegt man rechts in die Enzersberger Straße ein und gelangt zur „Kapelle zum hohen Kreuz“, die im Jahr 1963 errichtet wurde. Sie ist anstelle der früheren „Schwabenkapelle“ gebaut worden, die sich an der Stelle der heutigen Tankstelle befand, wo auch die Reste eines römischen Landhauses gefunden worden sind. Mit dieser historisch bedeutenden Ausgrabungsstätte für die Geschichte der Heimat wurde auch Thalgau ein Teil der berühmten Römerstraße nach „Juvavum“. Entlang eines großen Heckenzaunes spazierend, trifft die Enzersberger Straße in einem spitzen Winkel auf die Franz Schoosleitner-Straße. Zur linken Seite sieht man die sogenannte „Sager Kapelle“. Der Weg führt rechts weiter vorbei am „Herrnhubgut“. In der unmittelbaren Nähe befand sich der Richtplatz (Taiding). Zum Taiding waren alle rechtsfähigen Männer verpflichtet. An die „Taidingsstätte“ grenzte das Blutfeld, auf dem die Gerichtsbeschlüsse durchgeführt wurden.

Setzt man den Rundgang auf der Franz Schoosleitner-Straße zurück zum Markt fort, lassen die linksseitigen Wohnbauten kaum vermuten, dass hier einst die größte Maschinenfabrik Salzburgs mit ihren Werkshallen gestanden ist. Nur einige Meter entfernt führt die Via Talagova an einem sehenswerten Baudenkmal rechter Hand, dem „Spaur-Schlössl“ vorbei. Mit der weiträumigen Parkanlage ist das im „Bauernbarock“ gehaltene, frühere Adelshaus eines der schönsten baulichen Erscheinungen im Thalgauer Ortsbild. Erneut nur einige Wegschritte weiter, zeigt sich links die alte „Lohstampfe“ oder „Ehemühle am Zehenthof“. Gleich daneben schmiegt sich das „Zimmermeisterhaus“, „Häusl am Fischbach“ oder „Reindlhaus“ (Franz Schoosleitner-Straße 20) an, das 2017 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde.

Ein weiteres wuchtiges Mauerwerk stellt das „Limbrechthaus“ (Franz Schoosleitner-Straße 16) dar. Anschließend führt der alte Römerweg zum Thalgauer „Rüst- oder Notariatshaus“ (Franz-Schoosleitner-Straße 12). An der Südseite befindet sich eine Sonnenuhr, die 1976 anlässlich der Markterhebung angefertigt worden war. Der Weg führt entlang des Ortsbaches nach links. An dem freien Schotterplatz erhob sich einst der mächtige „Platzer- oder Schwaigerwirt“. Das historienträchtige Wirtshaus wurde 2012 abgerissen. 1969 abgerissen und durch ein Privathaus ersetzt worden ist die „Thalgauer Nagelschmiede“ oder das „Hebammenhaus“ (Franz-Schoosleitner-Straße 2).

Am Kreuzungspunkt, wo die Dorfstraße wieder links vom Ortskern wegführt, steht ein bedeutendes Monument der österreichischen Medizingeschichte – das „Ehbad-, Arztens- oder Hermannhaus“ (Ischlerbahnstraße 6). Wenn man dann links über die Mitterbachbrücke zum Beginn der Birnenallee kommt, trifft man sogleich auf das geradezu liebliche „Müllerlehrer- oder Segmüllerhaus“ (Ischlerbahnstraße 5). Nach einigen Metern biegt die Birnenallee nach rechts ab – geradeaus weiter befindet sich die Kastanienallee und am gegenüberliegenden Hügel kann man die „Amönenburg“ oder „Villa Stieff“ (Nikolaus-Gärtner-Weg 14) erkennen.

„Wo geht es hier zum Bahnhof?“ Diese Frage beantwortet das Haus Nr. 19, ungefähr in der Mitte der Ischlerbahnstraße. Das umgebaute Wohnhaus war der einstmalige Thalgauer Bahnhof für die legendäre Ischlerbahn im Salzkammergut. Am Ende der Querstraße bereits zum Thalgauberg ansteigend, befindet sich der Dechantshof  (Pfarrhof) mit der schönen Kreuzkapelle. Die aus Mostbirnen bestehende Pfarrhofs- bzw. Bahnhofsallee in Thalgau wurde 1898 zum 50. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs gepflanzt.

An der Hauptstraße angekommen, biegt man rechts ab Richtung Marktzentrum und findet gleich nach der Einmündung die damalige „Hofschmiede“ (Mondseerstraße 12). Beim Überqueren der „Schmiedbrücke“ wird man von der „St. Martin Statue“ begrüßt. Danach befindet sich das so genannte „Lingerlhaus“ (Mondseerstraße 7). In diesem Gebäude befand sich nachweislich 1694 die erste Thalgauer Schule. Weiter Richtung Zentrum steht links am Eck dann das „Kaufhaus Weyland“. Auf der anderen Straßenseite befand sich der „Schwabenwirt“ (Marktplatz 7).

Wenn man nach dem „Guglhaus“ (Marktplatz 9) links abbiegt, steht bei der Engstelle auf der rechten Seite das sogenannte „Rüsslhaus“ (Ferdinand-Zuckerstätter-Straße 4). In den 30er Jahren befand sich im ersten Stock das Sitzungszimmer der Gemeinde Thalgauberg. Nach nur wenigen Metern sticht der formschöne und ästhetische Baukörper der neuen Thalgauer Volksschule dem Betrachter in Auge und an der Schule vorbei lädt der Gerichtspark vor der NS-Gedenkstätte der Marktgemeinde Thalgau zum Verweilen ein. Neben dem Gerichtspark zeigt das Thalgauer Bezirksgericht (Wartenfelserstraße 7) seine bauliche Schönheit und Bedeutung für die Ortsgeschichte.

Der Rundgang mündet nun rechts in die Fuschler Straße und führt zurück zum Marktplatz, wo das „Kraftwirtshaus“ (Marktplatz 12) die Mächtigkeit der alten Dorfwirtshäuser anschaulich dokumentiert. Am Marktplatz angelangt bildet die Pfarrkirche den zentralen Punkt der Marktgemeinde Thalgau. Vor der Kirche steht das Thalgauer Kriegerdenkmal, errichtet im Jahre 1920. Der Wanderer kann nun der Kirche einen Besuch abstatten und/oder den Rundgang am neu gestalteten Marktplatz noch auf sich nachwirken lassen.